Geschichte von Misdroy

Der Ortsname hieß anfangs Misdroige, Misdroie oder Misdröge und wurde erst am Mitte des 18. Jahrhunderts zu Misdroy umbenannt. Der Name ist slawischen Ursprungs und heißt so viel wie „zwischen den Quellen“. Das heutige Seebad ist aus drei Orten zusammengewachsen. Dem „Alten Krug“, dem „Bauerndorf Misdroy“ und dem „Fischerdorf Misdroy“. 1554 wurde Misdroy in einer Urkunde als Eigentum der deutschen Dompropstei Cammin dokumentiert. Misdroy war um diese Zeit rum ein Dorf, welches sich hauptsächlich vom Fischfang und eine wenig Landwirtschaft ernährte. In alten Reiseberichten wird Misdroy als ein kleines Dorf an der Ostsee beschrieben, mit gefährlichen Dünen und einem großen Wildbestand. Es wird von Bernsteinvorkommen und von Fischräucherhütten berichtet.


Ab 1830 zählte man in Misdroy die ersten Badegäste. 1835 wurden für Frauen und Männer getrennte Badehäuser errichtet. 1842 wurde ein Gesellschaftshaus mit 16 Gästezimmern erbaut um den Ansprüchen der Gäste gerecht zu werden. Ab da wurden auch Investoren von außen auf Misdroy aufmerksam. Ab 1860 setzte ein rasches Wachstum des Ortes ein. 1874 wurden bereits knapp 3500 Badegätse gezählt und Misdroy war eines der führenden deutschen Seebäder. Eine Schiffsanlegestelle ermöglichte den direkten Verkehr von und nach Stettin.  Der spätere deutsche Kaiser Friedrich III. hatte hieran seine Verdienste. Er hatte sich im Jahre 1867 einige Wochen mit seiner Familie in Misdroy erholt. Dank seiner Fürsprache wurde zwei Jahre später der erwähnte Anleger für Passagierschiffe zur Direktverbindung Stettin–Misdroy–Swinemünde gebaut. Die dankbaren Einwohner von Misdroy gaben daraufhin ihrer 1885 eröffneten Seebrücke seinen Namen. 1906 wurde die Seebrücke auf 370 Meter erweitert.

Bis 1910 wurden 14 Hotels, einige Pensionen und Privathäuser für die Gäste gebaut. Im Jahre 1902 wurde die Eisenbahnlinie zwischen Misdroy und Swinemünde eröffnet. Obwohl Misdroy während des ersten Weltkrieges keinen materiellen Schaden erlitt, sanken die Besucherzahlen drastisch. Dies wirkte sich auf das Einkommen der Bewohner. Nach dem Ende des ersten Weltkrieges begann sich Misdroy wieder zu entwickeln. Die Stadt wurde weiterentwickelt, aber mit geringerem Tempo als vor dem Krieg. Im Jahre 1924 wurde die Aufteilung des Strandes für Frauen und Männer aufgehoben und ein Schwimmbad für alle eröffnet. Im Jahre 1927 wurde Misdroy auf rund 100 Hotels und Pensionen erweitert.

Die meisten Häuser hatten Telefone und Warmwasser. Die ersten Tankstellen und Werkstätten für Autos, Motorräder und Fahrräder wurden an der Promenade errichtet. In der Nähe des ehemaligen Marktes gab es eine Fabrik zur Herstellung und zum Verkauf von Strandausrüstung, hauptsächlich winddichte Strandkörbe. An der Wende der 1920er und 1930er Jahre wurde eine weitere Baumaßnahme in der Stadt durchgeführt. Zwischen 1926 und 1930 wurden das Kurhaus am Park und die beiden größten Hotels in Seeblick und Victoria umgebaut und erweitert. Beide Hotels haben bis heute überlebt. Neue Wanderrouten wurden entlang der Dünen erschlossen.

Im Jahre 1932 hatte Misdroy 3617 Einwohner und 619 Backsteingebäude und im Jahre 1935 stieg die Einwohnerzahl auf 4000 Einwohner. Im selben Jahr wurde ein Rekord aufgestellt. 20.000 Touristen kamen in die Stadt. Die Entwicklung der Stadt wurde 1939 durch den Ausbruch des Zweiten Weltkriegs unterbrochen.

Im zweiten Weltkrieg hat Misdroy viele Schäden davongetragen. Nach dem Krieg wurde Misdroy an die polnische Regierung übertragen.

Die 1960er Jahre waren eine Zeit großer Investitionen. Ein großer Teil der Häuser wurde renoviert, hauptsächlich an der Strandpromenade am Meer. Die Anlegestelle wurde ebenfalls umgebaut. Am 3. März 1960 wurde der Wolin-Nationalpark mit einer Fläche von ca. 4961 ha gegründet. In den Jahren 1970-1973 wurden an der heute noch bestehenden Promenade Lebensmittel-, Getränke- und Gastronomiepavillons errichtet. Bis 1984 war Misdroy ein Stadtteil von Swinemünde. Ab 1984 ist das Seebad eine eigenständige Gemeinde.

Im Jahr 1985 betrug die Anzahl der Gäste 25.000. 2013 waren es über 600.000.